Ein Certificate of Analysis (COA) ist der analytische Nachweis, dass eine konkrete Peptid-Charge das ist, was auf dem Etikett steht. Die Basis jedes Peptid-COA ist die Reinheit, bestätigt per HPLC mit vollständigem Chromatogramm und offengelegter Methode. Wo die Identität des Moleküls für den Versuch entscheidend ist, kommt die Bestätigung per Massenspektrometrie hinzu; fehlt sie, sollte sie angefragt werden. Welche weiteren Parameter nötig sind, hängt von der Fragestellung ab. Zusätzlich muss jedes seriöse Zertifikat eindeutig einer Chargennummer (Lot) zugeordnet sein, das prüfende Labor benennen und die Methodenparameter so dokumentieren, dass die Analyse nachvollziehbar ist. Eine ausführliche Einführung in den Aufbau eines COAs finden Sie auch in unserem COA-Guide.
Schnell-Checkliste vor der Verwendung einer Charge:
- Chargen-/Lotnummer vorhanden und identisch mit dem Etikett auf dem Vial
- Prüflabor namentlich genannt (idealerweise ISO/IEC-17025-akkreditiert)
- HPLC-Reinheit in Prozent mit vollständigem Chromatogramm
- Wo die Identität für den Versuch relevant ist: MS-Spektrum mit erwartetem und gemessenem m/z-Wert sowie Angabe der Methode
- Methodenparameter: Säulentyp, mobile Phase, Gradient, Detektionswellenlänge
- Analysten-Name oder QC-Freigabe mit Datum
Sofortige Stopp-Kriterien – Material in Quarantäne nehmen und Rückfrage stellen, bevor es in ein Experiment geht:
- Keine Chargennummer auf dem Dokument
- Reinheit als runde Zahl (exakt 99,0 % oder 98,0 %) ohne Chromatogramm
- MS-Spektrum fehlt, obwohl die Identität für den Versuch entscheidend ist, oder zeigt nur einen einzelnen, unbeschrifteten Peak
- Identisches COA-Dokument für mehrere unterschiedliche Chargen
Praxis-Tipp: Speichern Sie jedes COA sofort nach Erhalt als PDF mit der Chargennummer im Dateinamen. Anbieter aktualisieren Dokumente in ihren Portalen gelegentlich ohne Hinweis – Ihre zeitgestempelte Kopie ist die Version, die zählt.
Was ein Peptid-COA ist – und was nicht
Ein Certificate of Analysis ist ein chargenspezifischer Laborbericht, der die analytischen Ergebnisse für definierte Qualitätsmerkmale dokumentiert: Identität, Reinheit und – je nach Umfang – Sicherheitsparameter wie Endotoxine oder Restlösemittel. Es ist keine behördliche Zulassung, kein Sicherheitszertifikat und keine Freigabe für irgendeine Anwendung.
Ein COA dokumentiert, was an einer bestimmten Charge zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen wurde. Es bescheinigt nicht, dass das Material für einen bestimmten Zweck geeignet ist – diese Bewertung liegt beim forschenden Labor.
Diese Unterscheidung ist bei Research-Use-Only-Material (RUO) besonders wichtig: RUO-Peptide unterliegen keinem Arzneimittelzulassungsverfahren, und ihr COA enthält keinerlei Aussage über eine therapeutische Eignung. Typische Verwaltungsfelder eines Peptid-Analysereports sind:
- Produktname und Sequenz (Ein- oder Drei-Buchstaben-Code)
- Theoretisches Molekulargewicht (aus der Sequenz berechnet)
- Chargen- bzw. Lotnummer als Rückverfolgbarkeits-Anker
- Analysedatum sowie Verfalls- oder Retest-Datum
- Name, Adresse und Akkreditierungsstatus des Prüflabors
- Name des Analysten oder Unterschrift der QC-Verantwortlichen
- Spezifikationsgrenzen und Pass/Fail-Ergebnis je Parameter
HPLC-Reinheit: Was die Prozentzahl wirklich bedeutet
Die HPLC-Reinheit gibt den Flächenanteil des Hauptpeaks relativ zu allen integrierten Peaks im Chromatogramm an. Diese Zahl ist nur dann aussagekräftig, wenn Sie das Chromatogramm sehen und die Methode kennen. Dieselbe Zahl ohne Chromatogramm und ohne Methodenangaben sagt praktisch nichts aus.
Worauf Sie im Chromatogramm achten sollten
- Ein dominanter Hauptpeak mit stabiler, flacher Basislinie auf beiden Seiten
- Keine Schulterpeaks oder co-eluierende Zonen direkt neben dem Hauptpeak
- Retentionszeit, die zur Hydrophobizität des Peptids passt (hydrophobere Sequenzen eluieren auf Umkehrphasen-C18 später)
- Geringes Basislinienrauschen im Verhältnis zu kleinen Verunreinigungspeaks
Methodenparameter, die die Interpretation verändern
Die Detektionswellenlänge ist die am häufigsten übersehene Variable. Peptidbindungen absorbieren stark bei 214–220 nm. Wird die Reinheit dagegen bei 254 oder 280 nm gemessen, werden nicht-aromatische Verunreinigungen komplett übersehen, denn diese Wellenlängen erfassen nur aromatische Reste (Phe, Tyr, Trp). Ein COA, das für ein Peptid ohne aromatische Reste eine Reinheit bei 254 nm ausweist, ist gegenüber den meisten potenziellen Verunreinigungen faktisch blind.

Auch der Säulentyp zählt: C18-Umkehrphase ist der Standard, C4 oder C8 kommen für größere oder stark hydrophobe Peptide zum Einsatz. Weitere prüfenswerte Parameter: Zusammensetzung der mobilen Phase (typisch Wasser/Acetonitril mit 0,1 % TFA oder Ameisensäure), Gradientenprofil, Flussrate und Injektionsvolumen. Ein zu steiler Gradient kann eng verwandte Verunreinigungen mit dem Hauptpeak co-eluieren lassen und die scheinbare Reinheit künstlich erhöhen.
Praxis-Tipp: Fordern Sie das Chromatogramm mit sichtbaren Integrationsmarkern oder die Roh-Integrationsdatei an. Ein Anbieter, der nur ein gerendertes Bild ohne Basislinienmarker, Peak-Beschriftung und Integrationstabelle liefert, kann nicht belegen, dass die angegebene Reinheit aus genau dieser Messung stammt.
Massenspektrometrie: Ist das Molekül wirklich das bestellte?
Ein Synthesefehler, eine Deletionssequenz oder eine Racemisierung kann ein Molekül erzeugen, das auf der Umkehrphasen-HPLC perfekt mit dem Zielpeptid co-eluiert – und trotzdem eine völlig andere Sequenz hat. Die massenspektrometrische Identitätsbestätigung ist deshalb der verlässliche Weg zu wissen, dass der dominante Peak tatsächlich Ihr Peptid ist – überall dort, wo die Identität für den Versuch entscheidend ist, sollte sie vorliegen oder angefragt werden.
Die zwei gängigen MS-Methoden auf Peptid-COAs
- ESI-MS (Elektrospray-Ionisation): erzeugt mehrfach geladene Ionen und damit eine Ladungszustandsleiter (z. B. [M+2H]²⁺, [M+3H]³⁺). Die gemessenen m/z-Werte jedes Ladungszustands müssen auf dieselbe Neutralmasse zurückrechenbar sein – ein eingebauter Konsistenz-Check.
- MALDI-TOF: liefert typischerweise ein einfach geladenes [M+H]⁺-Ion und damit eine direkt ablesbare Masse; die Massentoleranz ist etwas weiter als bei ESI.
Weist ein COA MS-Daten aus, muss es die Methode, das erwartete Molekulargewicht und den gemessenen Wert (bzw. m/z mit Ladungszustand) nennen. Echte MS-Daten tragen immer einen kleinen, von Null verschiedenen Massenfehler. Ein Massenfehler von exakt Null ist ein Warnsignal – er deutet darauf hin, dass der Wert gerundet oder manuell eingetragen statt vom Instrument abgelesen wurde.
Praxis-Tipp: Bei Peptiden über etwa 2.000 Da sollte die Identität über mindestens zwei Ladungszustände bestätigt sein. Ein einzelner m/z-Peak ohne Ladungszustandskontext reicht bei höheren Molekulargewichten nicht für eine eindeutige Identitätsbestätigung.
Chromatogramm und MS-Spektrum auf Chargenprobleme lesen
Über die Grundprüfung hinaus zeigen beide Rohdatensätze, ob sich zwischen zwei Chargen desselben Peptids etwas verändert hat.
Hinweise im Chromatogramm
- Retentionszeit: Verschiebt sich der Hauptpeak bei unveränderter Methode merklich gegenüber früheren Chargen, hat sich in Synthese, Aufreinigung oder Analysenmethode etwas geändert – ein Anlass zur Rückfrage, bevor das Material verwendet wird.
- Schultern und Doppelpeaks: Nicht aufgelöste Signale direkt am Hauptpeak deuten häufig auf eng verwandte Synthesenebenprodukte hin, etwa verkürzte Sequenzen oder unvollständig entschützte Peptide. Werden sie in die Integration des Hauptpeaks einbezogen, fällt die berichtete Reinheit zu hoch aus.
- Peakform: Breite oder tailende Peaks sprechen meist dafür, dass ähnliche Verunreinigungen in der Aufreinigung nicht vollständig abgetrennt wurden.
- Basislinienführung: Eine Basislinie, die so gelegt ist, dass die Fläche der Verunreinigungen klein ausfällt, erhöht den Reinheitswert rein rechnerisch. Deshalb gehört die Integrationstabelle zum Chromatogramm.
- Detektorsättigung: Ein oben abgeflachter Hauptpeak zeigt, dass der Detektor am Limit war; die darauf aufbauende Integration ist nicht belastbar.
Hinweise im Massenspektrum
- Eine Abweichung von etwa 18 Da gegenüber der erwarteten Masse entspricht einem Wassermolekül und deutet auf eine Wasseranlagerung oder -abspaltung hin.
- Ein Versatz in Höhe der Masse einer einzelnen Aminosäure spricht für eine Deletion oder Substitution.
- Mehrere intensive Signale statt einer dominanten Masse bedeuten in der Regel, dass ein Gemisch vorliegt – unabhängig davon, was die HPLC-Reinheit ausweist.
- MS/MS-Daten mit Fragmentionen über die gesamte Sequenz sind ein stärkerer Identitätsnachweis als die intakte Masse allein, die bei kurzen Sequenzen zufällig übereinstimmen kann.
Nettopeptidgehalt vs. HPLC-Reinheit: der oft übersehene Unterschied
HPLC-Reinheit und Nettopeptidgehalt messen unterschiedliche Dinge. Die HPLC-Reinheit beschreibt die Zusammensetzung des UV-detektierten Materials – welcher Anteil davon als Zielpeak eluiert. Der Nettopeptidgehalt beschreibt, welcher Anteil der Gesamtmasse im Vial tatsächlich Peptid ist. Die Lücke zwischen beiden Werten kann erheblich sein.
Warum diese Lücke entsteht
- TFA (Trifluoressigsäure): verbleibt nach der HPLC-Aufreinigung als Gegenion an basischen Resten. TFA absorbiert bei 214 nm nicht, addiert aber Masse – Peptide mit mehreren Arg- oder Lys-Resten können deutliche TFA-Anteile tragen.
- Acetat: alternatives Gegenion nach TFA-Austausch mit ähnlichem Masseeffekt.
- Restwasser: lyophilisierte Peptide sind hygroskopisch; 5–15 % Wassergehalt sind üblich.
- Restlösemittel: Spuren von Acetonitril oder TFA aus der Aufreinigung.
Ein kurzes Rechenbeispiel: Aus einem 5-mg-Vial mit 12 % Gegenionen und 8 % Wasser ergeben sich 5 mg × 0,80 = 4,0 mg peptidhaltige Masse. Mit einer HPLC-Reinheit von 98 % sind das 4,0 mg × 0,98 = 3,92 mg tatsächliches Peptid. Wer für molare Konzentrationsberechnungen einfach die Etikettenmasse ansetzt, baut einen systematischen Fehler ein. Übliche Messmethoden: Ionenchromatographie oder ¹⁹F-NMR für TFA, Karl-Fischer-Titration für Wasser, Aminosäureanalyse (AAA) für den Nettopeptidgehalt direkt.
Kontaminations- und Sicherheitstests
Sicherheitsbezogene Tests sind auf COAs für Forschungspeptide nicht immer enthalten – und ihr Fehlen ist je nach Fragestellung nicht automatisch ein Warnsignal. Entscheidend ist zu wissen, welche Tests für die eigene Arbeit relevant sind, und sie bei Bedarf gezielt anzufordern.
| Test | Methode | Übliche Einheit |
|---|---|---|
| Endotoxine | LAL oder rFC | EU/mg oder EU/mL |
| Sterilität | USP <71> | Pass/Fail |
| Restlösemittel | GC-Headspace (ICH Q3C) | ppm |
| Schwermetalle | ICP-MS oder ICP-OES | ppm |
Endotoxine – Lipopolysaccharid-Fragmente gramnegativer Bakterien – sind der praktisch wichtigste Parameter für viele biologische Assays, weil schon geringste Mengen inflammatorische Antworten auslösen und Ergebnisse verfälschen können. Restlösemittel werden per GC-Headspace nach ICH Q3C geprüft; Acetonitril und TFA sind die häufigsten Rückstände aus der HPLC-Aufreinigung.
Ergänzende Analysemethoden und Methodenvalidierung
HPLC und Massenspektrometrie decken Reinheit und Identität ab. Auf ausführlicheren COAs finden sich weitere Verfahren, die jeweils eine andere Frage beantworten:
- Aminosäureanalyse (AAA): Das Peptid wird in seine Aminosäuren zerlegt, die quantitativ bestimmt werden. Passen die gemessenen Verhältnisse nicht zur erwarteten Sequenzzusammensetzung, ist das ein Warnsignal, das die HPLC allein nicht zeigt – sie belegt nur, dass etwas bei der erwarteten Retentionszeit eluiert.
- UV-Spektroskopie: Die Absorption (bei Peptiden mit Tryptophan oder Tyrosin üblicherweise bei 280 nm) erlaubt eine schnelle Abschätzung der Konzentration in Lösung. Sie unterscheidet das Zielpeptid nicht von ähnlich absorbierenden Verunreinigungen und ist daher eine Konzentrationskontrolle, kein Reinheits- oder Identitätsnachweis.
- Circulardichroismus: wird gelegentlich zur Prüfung der Sekundärstruktur größerer oder zyklischer Peptide eingesetzt; bei kurzen linearen Sequenzen ist er selten.
Warum die Methodenvalidierung zum Ergebnis gehört
Ein Reinheitswert ist nur so belastbar wie die Methode dahinter. Eine validierte Methode hat dokumentierte Leistungsmerkmale: Spezifität (trennt sie das Peptid von den wahrscheinlichen Verunreinigungen?), Richtigkeit, Präzision (Wiederholbarkeit über mehrere Läufe) und Linearität im gemessenen Konzentrationsbereich. Ohne Validierung entsteht zwar ebenfalls ein Chromatogramm mit einer Zahl, aber ohne Gewähr, dass sie sich an einem anderen Tag, auf einer anderen Säule oder bei einem anderen Analysten reproduzieren lässt. Das ist einer der Gründe, warum dasselbe Peptid bei zwei Anbietern unterschiedliche HPLC-Reinheiten tragen kann.
Modifizierte Peptide: Amidierung und Phosphorylierung
Modifikationen verschieben das analytische Ziel. Soll-Masse und Retentionszeit im COA müssen sich deshalb auf die modifizierte Form beziehen, nicht auf die Basissequenz.
- Amidierung: Der C-Terminus trägt eine Amidgruppe statt der freien Säure. Das verändert das Molekulargewicht geringfügig und kann die Retentionszeit verschieben; eine für die freie Säure entwickelte Methode verhält sich bei der amidierten Form nicht zwingend identisch. Weil der Massenunterschied klein ist, lässt er sich mit einem Synthesefehler verwechseln, wenn die Referenzmasse nicht für die modifizierte Form berechnet wurde.
- Phosphorylierung: Sie erhöht die Masse deutlich und verändert den Ladungszustand, was HPLC-Verhalten und MS-Fragmentierung beeinflusst. Das COA sollte belegen, dass die Phosphorylierungsstelle verifiziert wurde – die Gesamtmasse allein unterscheidet ein korrekt phosphoryliertes Peptid nicht immer von einer isobaren Variante mit der Modifikation an anderer Position.
Herstellereigenes vs. unabhängiges COA
Eine zentrale Frage zu jedem COA lautet: Wer hat gemessen, und lässt sich die Messung nachprüfen? Ein herstellereigenes Labor kann valide Daten liefern – der Interessenkonflikt ist aber real. Glaubwürdig wird ein internes COA, wenn Labor, Methode, Chromatogramm und Chargennummer offengelegt sind; eine externe Zweitanalyse ist eine zusätzliche Absicherung, vor allem bei kritischen Anwendungen.
| Merkmal | Hersteller-internes COA | Unabhängiges Dritt-COA |
|---|---|---|
| Interessenkonflikt | vorhanden (Verkäufer = Prüfer) | minimal (getrennte Einheit) |
| Rückverfolgbarkeit | abhängig von Labornennung und Methodendetail | hoch bei benanntem, akkreditiertem Labor |
| Akkreditierung | variabel, oft fehlend | typisch ISO/IEC 17025 o. Ä. |
| Rohdaten | je nach Anbieter; sollten offengelegt oder auf Anfrage verfügbar sein | meist auf Anfrage verfügbar |
Eine ISO/IEC-17025-Akkreditierung ist der anerkannte Kompetenznachweis für Prüflabore: Methoden, Geräte und Personal wurden von einer externen Stelle gegen definierte Anforderungen geprüft. Das garantiert kein einzelnes Ergebnis, hebt die Messlatte aber deutlich gegenüber einer anonymen internen QC-Abteilung.
Warnsignale und ein Schritt-für-Schritt-Prüfablauf

Schritt 1: Chargennummer abgleichen. Die Lotnummer auf dem COA muss exakt mit der Nummer auf Vial oder Verpackung übereinstimmen. Eine Abweichung bedeutet: Dieses COA wurde nicht für Ihr Material erstellt.
Schritt 2: Labor verifizieren. Das genannte Labor unabhängig recherchieren – existiert es, hat es eine Adresse, ist es akkreditiert? Steht dort nur „interne QC“ ohne benanntes Labor, Methodenangaben und Rohdaten, gilt das COA als unbestätigt.
Schritt 3: HPLC- und MS-Rohdaten prüfen. Das Chromatogramm muss ein vollständiger Lauf sein, kein zugeschnittenes Bild. Ein MS-Spektrum, sofern Teil des COA, muss die Ladungszustandsleiter (ESI) bzw. den [M+H]⁺-Peak (MALDI) mit Soll- und Ist-Masse zeigen.
Schritt 4: Nettopeptidgehalt kontrollieren. Sind Gegenionen- und Wassergehalt angegeben? Falls nicht: vor jeder Konzentrationsberechnung anfordern.
Schritt 5: Kontaminationstests prüfen. Für sensitive biologische Systeme gezielt Endotoxindaten anfordern – viele COAs enthalten sie nur auf Nachfrage.
Schritt 6: Freigabe kontrollieren. Ein benannter Analyst mit Unterschrift und Datum ist das Minimum. Ein nicht unterzeichnetes COA hat keine Verantwortungskette.
Typische Warnsignale und die passende Reaktion:
- Fehlendes Chromatogramm: Rohdatendatei und Integrationsbericht anfordern, bevor das Material verwendet wird.
- Runde Reinheitswerte (exakt 99,0 %, 98,0 %): vollständige Integrationsdatei mit Peakflächen und Basislinienzuordnung anfordern.
- Identisches COA für verschiedene Chargen: Laboraufzeichnungen mit separaten Analysen je Lot verlangen.
- Massenabweichung > 2 Da (bei Peptiden unter 2.000 Da): Rohspektrum und Erklärung anfordern.
- Massenfehler von exakt Null: als verdächtig einstufen, Rohdaten anfordern.
Akzeptanzkriterien vor dem Experiment festlegen
Akzeptanzkriterien gehören definiert, bevor das COA eintrifft – nicht danach. Wer Schwellenwerte erst nach Erhalt festlegt, läuft in einen Bestätigungsfehler: Grenzwertige Ergebnisse werden dann gern zurechtargumentiert. Sinnvoll ist, die Anforderungen an Reinheit, Identitätsnachweis, Nettopeptidgehalt und ggf. Endotoxinwerte je nach analytischer Fragestellung in einer Labor-SOP festzuhalten. Ein SOP-definierter Schwellenwert ist in einem Audit belastbar – eine nachträgliche Einzelfallentscheidung nicht. Bei neuen Lieferanten empfiehlt sich zusätzlich eine unabhängige Bestätigungsanalyse (HPLC plus MS) der ersten Charge in einem akkreditierten Labor, unabhängig von der Reputation des Anbieters.
Orientierungswerte für Akzeptanzkriterien nach Fragestellung
Die Schwellenwerte in der Labor-SOP sollten mit der Empfindlichkeit des Versuchs skalieren. Als Orientierung (keine Norm) dienen häufig:
- Screening und explorative Arbeiten: HPLC-Reinheit ab etwa 95 %, Chromatogramm einsehbar.
- Zellbasierte Assays: HPLC-Reinheit ab etwa 98 %, mit angegebenem Nettopeptidgehalt, damit Stammlösungen korrekt berechnet werden können.
- Mechanistische Studien und Publikationen: HPLC-Reinheit ab etwa 99 %, Nettopeptidgehalt, MS-Identität und möglichst MS/MS-Sequenzabdeckung.
Zusätzlich lohnt der Blick auf das Analysedatum: Da Peptide degradieren können, ist ein älteres COA für eine später gelieferte oder gelagerte Charge nur begrenzt aussagekräftig. Retest-Daten mit Datum schaffen hier Klarheit.
COA-Prüfung in Bestellung und Wareneingang verankern
Die Prüfung wirkt am zuverlässigsten, wenn sie fester Bestandteil des Beschaffungsablaufs ist und nicht erst bei einem auffälligen Ergebnis nachgeholt wird.
- Bei der Bestellung: das COA der tatsächlich gelieferten Charge anfordern, kein repräsentatives oder historisches Dokument auf Produktebene. Methodendetails und – wenn Konzentrationen genau stimmen müssen – den Nettopeptidgehalt gleich mit anfragen.
- Im Wareneingang: die Chargennummer Zeichen für Zeichen abgleichen, Chromatogramm und MS-Spektrum sichten und das Analysedatum in den Laboraufzeichnungen festhalten. Bietet das Prüflabor eine an die Chargennummer gebundene Online-Abfrage oder einen QR-Code an, lässt sich die Echtheit des Dokuments unabhängig vom Lieferanten bestätigen; ein echtes, aber für eine andere Charge ausgestelltes COA fällt so auf.
- Rückstellmuster archivieren: ein kleines Aliquot zusammen mit dem COA aufbewahren. Wirkt ein Ergebnis Monate später auffällig, steht Material für eine Bestätigungsanalyse bereit.
- Sicherheitsparameter als Zahlenwert verlangen: Ein Endotoxinergebnis sollte in EU/mg mit dem zugrunde gelegten Grenzwert angegeben sein. „Bestanden“ gegen einen nicht genannten Grenzwert sagt nichts darüber, wie nah die Charge an diesem Grenzwert lag.
Als Teil der Wareneingangs-SOP kostet dieser Ablauf pro Sendung wenige Minuten und macht jedes eingehende COA am eigenen Standard messbar statt an der Definition von „akzeptabel“ des jeweiligen Lieferanten.
Wenn das COA Fragen aufwirft: die nächsten Schritte
Der erste Schritt lautet immer: Material nicht weiterverwenden, egal wie eng der Zeitplan ist. Eine Charge mit ungeklärtem COA-Befund kontaminiert im Zweifel Daten und Versuchssystem. Drei Wege stehen offen:
- Korrigiertes COA oder Rohdaten anfordern (schnellster Weg): passend, wenn das Problem eine Dokumentationslücke ist (fehlendes Chromatogramm, fehlende Methodenparameter). Eine Antwortfrist von 48 Stunden setzen.
- Rückstellmuster an ein unabhängiges ISO/IEC-17025-Labor senden (moderater Aufwand): passend, wenn Daten vorhanden, aber verdächtig sind (runde Reinheit, Null-Massenfehler, Massendiskrepanz). Mindestens 10 % des Vials für die unabhängige Prüfung zurückhalten.
- Sendung zurückgeben oder ablehnen (höchste Disruption, geringstes Risiko): passend, wenn die Chargennummer fehlt, das COA erkennbar wiederverwendet wurde oder der Anbieter Rohdaten verweigert.
Der Unterschied zwischen einem akzeptablen und einem problematischen COA ist nicht die Reinheitszahl – beide können über 99 % ausweisen. Der Unterschied ist, ob die Zahl auf eine reale, nachvollziehbare Messung rückführbar ist.
COA-Transparenz bei Peptélia
Wer die obigen Prüfschritte einmal durchgearbeitet hat, weiß, wie viel Zeit ein fehlendes Chromatogramm oder ein anonymes Labor kosten kann. Peptélia hat den Dokumentationsprozess um genau diese Realität herum aufgebaut: Jede Charge wird im eigenen Labor geprüft und mit einem chargenbezogenen COA ausgeliefert – HPLC und UV/Vis sind Standard, je nach Produkt kommen Massenspektrometrie bzw. LC-MS und Endotoxinprüfung hinzu.

Zu jeder Charge gibt es ein chargenspezifisches COA; auf Anfrage ist zusätzlich eine Zweitanalyse durch ein externes Labor (Janoshik Analytical) möglich. Details zum Prüfprozess finden Sie auf der Seite Qualität, COAs & Laborprüfung, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Lesen der Dokumente in unserem COA-Guide.
Wichtiger Hinweis
Alle bei Peptélia angebotenen Substanzen sind ausschließlich für die wissenschaftliche Verwendung im Labor bestimmt (Research Use Only). Sie sind keine Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel und keine Kosmetika. Eine Anwendung am Menschen oder am Tier sowie eine diagnostische oder therapeutische Verwendung sind ausdrücklich ausgeschlossen.




